Ein Jahr Ich blogge!
oder andersrum... :-)
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(Vielen Dank an
ave für das Bild - eigentlich solltest du nix anderes mehr machen, als für mich zu zeichnen!)
Alles Gute Lieblingsseite!
Das vergangene Wochenende habe ich in seeliger Ruhe in Kohkrabai verbracht, einem Dorf bei Phnom Penh (ein paar Kilometer südwestlich). In diesem idyllischen Straßenort entlang des Bassac Flusses besitzt mein Chef ein kleines, nettes Häuschen, sicherlich ohne solche Luxusgüter wie fließend Wasser oder Ausgehmöglichkeiten am Abend, dafür wartet dieses Fleckchen Erde aber mit einer Terrasse am Fluss auf, wo ein altes Männlein wohnt, dass einen ungefragt mit Tee und Hängematte versorgt und zudem noch nett lächelt und ganz nebenbei ein bisschen Khmer unterrichtet.

Doch leider war es mir diesmal nicht vergönnt, den ganzen Tag in meiner im Fluss-Wind sanft schaukelnden hängenden Matte zu verbringen und kambodschanische Schelmenromane zu lesen, sondern dieses Wochenende galt es, die Ärmel hochzukrempeln, in die Hände zu spucken und das Schicksal beim Schopfe zu packen. Na gut vielleicht nicht das Schicksal, wohl aber einige hundert Mangos, die in der kleinen Plantage (50 Bäume) meines Chefs im saftigsten Grün an den Bäumen hingen, welche wiederrum riefen: „Schüttel uns, unsere Mangos sind schon reif.“ Leider war das nicht so einfach wie im Märchen bzw. mit den Äpfeln. Mangos halten sich krampfhaft an ihrem Mamabaum fest, aber die uralte Kultivierung hat hierfür freilich ein technisch perfektes und in der Herstellung billiges Hilfsmittel entwickelt: Ein kleiner Korb an einer langen Stange, in dem man die Mango mit etwas Feingefühl einfangen und dann runterreißen muss.
Eine scheinbar einfache und abwechslungsreiche Arbeit, die ohne größere Schwierigkeiten auch für einen Mangoerntenlaien wie mich schaffbar scheint. Zuerst war das auch so. Aber dann.... Gerade hatte ich mich eingearbeitet und hatte eine gute Technik raus, die Mangos in das Körbchen zu bekommen, da spürte ich einen ersten Pieks im Bein. Ich dachte mir nichts weiter dabei, schlug das Insekt ohne hinzuschauen von meinem Unterschenkel und machte weiter. Plötzlich, ein weiterer Schmerz, und dann spürte ich das Krabbeln auf meinen Beinen. Ich schaute an mir runter und alles war voller riesiger (mindestens 1 cm!) roter Ameisen, die versuchten in meine Kleidung einzudringen und es sich unterwegs nach oben nicht nehmen ließen, hier und da kräftig zuzubeißen. Ich ließ den Stab im Baum lehnen und sprang schreiend einbeinig durch den Mangohain und versuchte die Fiecher abzuklopfen, wegzuschnippen oder irgendwie davon abzuhalten, in meine Hose zu krabbeln. Leichter gesagt als getan, die sind echt hartnäckig – krallen sich fest mit ihren grässlichen sechs Beinen und lassen nicht locker.
Schließlich hatte ich meine Beine befreit und griff wieder zu meinem Arbeitsgerät, um an anderer Stelle weiterzumachen, aber da waren schon meine Arme voller Ameisen, die über den Stab vom Baum herunter gekrabbelt waren, um ihre Mangos zu verteidigen. Wieder folgte ein erbitterter Kampf, an dessen Ende ich es schließlich aufgab, und mich resigniert dem Einsammeln der Früchte widmete. Das war allerdings auch nicht besser, denn auf jeder am Boden liegenden Mango saß ein Team von den Mistbiestern und wartete auf meinen Zugriff. Näherte ich mich mit meiner Hand, stellten sie sich auf ihre vier Hinterbeine und drohten mit ihren Beißwerkzeugen – kein schöner Anblick. Ich tat es den anderen Sammlern gleich und sammelte schnell, um die Fieslinge dann von meinen Händen zu klopfen, wo die Haut zu dick ist, als das ihre Bisse wehtun könnten. Das Einsammeln war also nicht weniger gefährlich, aber ich stürzte mich in den Spießrutenlauf und versuchte mich ein wenig nützlich zu machen.

Zur Belohnung gab es ein wunderbar leckeres Picknick unter Mangobäumen, ohne Ameisen und ich konnte meine geschwollenen Arme und Beine kühlen. Aber den Kampf mit diesen kleinen Monstern werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Das ist wirklich was anderes, als die kleinen Schwarz-roten die ich zuhause in meinem Müsli hab – die riesigen Roten waren wirklich aggressiv und haben gezielte Angriffe gestartet... Übel, wenn man die in der Wohnung hat, na dann Gute Nacht, oder besser keine Nacht...
Mehr Bilder zu meinem Abenteuer gibt’s bei Picasa.
Ansonsten wäre noch zu erwähnen, das sie ganz schlimme Hitze hier überstanden scheint, es regnet mittlerweile fast jeden zweiten Tag und die Nächte sind mit Ventilator auf Stufe 1 durchaus erträglich. Selbst die kalte Dusche am Morgen bringt mich mittlerweile zum Frösteln.
Noch ne andere Frage am Rande: Wieso hat man am Tag der Arbeit eigentlich frei? hehe
Wer kennt sie nicht, diese Ketten-E-Mails und ICQ-Nachrichten, die einem das absolute Glück, wenn man sie weiterleitet, und den sofortigen Tod, wenn man es nicht tut, versprechen?
Ich hab gestern Abend eine Ketten-Sms der besonderen Art bekommen:
Tell everyone, please don't eat the beef cuz some cows are dead at Svay Si So Phon (im Westen an der Grenze zu Thailand), maybe more than 100. Please forward this to everyone you know. Thanks
In diesem Fall könnte doch tatsächlich mal die üble Prophezeiung wahr werden.
Interessant auch, wie sich solche Meldungen hier verbreiten. Selbstverständlich ist aus den Medien heute nichts darüber zu erfahren. Aber wer weiß, wie viele Kühe tatsächlich gestorben sind, und ob überhaupt...
Da ich es in den letzten Tagen mit mehreren Travellern davon hatte, und dann heute auch noch diverse Banner in der Stadt hängen hab sehen, musste ich zu diesem Thema mal Genaueres erfahren:
Angkor Wat for 7 wonders!
Your Vote for Angkor!
(das liest man auf den Bannern, die an der Phnom Penher Uni hängen)

Und die Diskussionen mit den anderen Travellern gingen meistens darum, was die 7 Weltwunder überhaupt sind und ob oder warum Angkor Wat nicht dazu gehört. Keiner hat sie tatsächlich alle zusammenbekommen. Ich wusste zumindest, dass es alles Bauwerke der Antike waren und nur noch die Pyramiden stehen, aber über die Hängenden Gärten und den Koloss von Rhodos und irgendein Zeustempel in Athen bin ich auch nicht hinaus gekommen.
Hier noch mal die komplette Liste, natürlich aus meiner Lieblingsquelle
Wikipedia, die ja bekanntlich (ähnlich wie das Fernsehen) immer Recht hat:
- Die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon
- Der Koloss von Rhodos
- Das Grab des König Mausolos II. zu Halikarnassos
- Der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria
- Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten
- Der Tempel der Artemis in Ephesos
- Die Zeusstatue des Phidias von Olympia
Diese Liste stammt von Reiseführern älterer Zeiten, und laut Wiki gibt es mittlerweile diverse Versuche, die Liste an die aktuell noch bestehenden Bauwerke anzupassen, allerdings scheint keine dieser Listen wirklich etabliert zu sein, was auch die weitschweifenden Vorschläge der anderen Traveller bewiesen haben.
Jetzt gibt es ein neues Projekt, in Verbindung mit den Bannern, die an der Phnom Penher Uni hängen, und wahrscheinlich nicht nur dort: Jemand in der letzten Zeit am Eiffelturm, an Neu Schwanenstein, Machu Picchu und ähnlichen weltwunderwürdigen Menschenwerken vorbeigekommen? Da steht dann wahrscheinlich auch:
Votre vote pour Ségolène Royale le tour Eiffel! Oder so...
Auf jeden Fall wirbt diese Seite:
New7wonders jetzt ganz fleißig für
Deine Möglichkeit, Geschichte zu schreiben...Man kann wohl in dieser neuen Abstimmung die aktuellen Weltwunder bestimmen (gebaut vor dem Jahr 2000). Also ran an die Wahlurnen, öhm, Mäuse und Tastaturen und Stimme abgeben! Vielleicht kann man sich diese Sieben ja auch merken...
Warum eigentlich gerade Sieben? Das ist der Zauber dieser magischen Zahl Sieben: das Göttliche (3) addiert mit dem Irdischen (4), die Woche (in der Gott die Welt schuf), die 7 Berge der 7 Zwerge... Und wann sonst sollte dann die Entscheidung zu den neuen 7 Wundern fallen, wenn nicht am 07.07.07?
Ja was für ein ausgelutschtes Wortspiel das doch ist. Aber trotzdem immerwieder lustig...

Das Foto ist geklaut, und zwar von
hier. Ich würde euch gern eigene Bilder posten, aber noch immer kann ich meine Kamera nicht benutzen, was mich von Tag zu Tag mehr ankotzt. Es gibt so viele Sachen, die ich gern festhalten würde. Bei früheren Reisen war das kein Problem, da waren immer Leute mit Kameras dabei, aber diesmal... hmpf... Naja vielleicht wirds diese Woche was.
Zurück zum Meer. Ich bin dieses Wochenende meer (okay ich hör auf damit) oder weniger spontan an die Küste gefahren. Das dauert so vier Stunden mit dem Bus, kostet 3 Dollar und ist ziemlich unkompliziert. Unten angekommen, bin ich an den Touristrand gefahren, hab mir nen Guesthouse gesucht (Einzelzimmer sind verdammt teuer) und hab dann den Rest des Wochenendes an und in dem tollen Wasser verbracht, das dort in unendlichen Mengen an den Landrand schwemmt (genannt Meer). Phnom Penh ist so stressig, so heiß und von Feinstaub möchte ich gar nicht erst reden... So das man in der Stadt eigentlich nicht zur Ruhe kommen kann. So bot der Aufenthalt am Meer für mich eine der bisher sehr seltenen Möglichkeiten, mal so richtig auszuspannen. Und gerade als ich anfing, über gar nichts mehr nachzudenken und die Wellen meinen Kopf vollkommen frei geschwemmt hatten, war der Sonntagvormittag rum und ich fand mich im Bus Richtung Phnom Penh wieder. Aber so ist das ja immer, wenn man Urlaub macht.
Trotzdem muss ich sagen, dass es ein schöner Trip war, auch wenn ich allein unterwegs war. Am Strand fanden sich so viele Leute, mit denen man bei Bedarf einen Traveller-Smalltalk halten konnte, und wenn man seine Ruhe will, dann hat man dort seine Ruhe... Und dann die Meeresfrüchte... Lecker.
Im krassen Gegensatz dazu natürlich auch die vielen Kinder, die an den Touristenstränden auf und ab laufen, um Massagen, Armbänder und Epilierung verkaufen, anstatt in die Schule zu gehen.
Zu den drei Feiertagen von Khmer New Year ist Phnom Penh so gut wie ausgestorben - ein Großteil der Stadtbewohner hat sich aufgemacht zu den Familien aufs Land. Ich bin hier geblieben und hatte das ganze Wochenende über interessante Begegnungen, die ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte.
Der Text artet wieder einmal aus, deswegen heute unterteilt in Unterkapitel, so das jeder sich heraussuchen kann, was interessiert.
1. Der Bettler
Es war Freitag Nachmittag, auf Grund der anstehenden drei Feiertage zum Khmer New Year hatte ich ihn frei und es zog mich, des lauen Windes wegen, der dort immer vom Wasser her weht und die Flaggen entlang der Uferpromenade zum flattern bringt, an das Flussufer. Es dauerte nicht lang und ich war nicht mehr allein auf der Kaimauer mit meinem Buch – ein kambodschanischer Phnom Penh Tourist wollte mich gern ein bisschen ausfragen. Leider oder zum Glück war sein Englisch mehr als spärlich, so dass das Gespräch als bald ins Stocken geriet. Aber schon war der Nächste zur Stelle: ein junger Mann mit verkrüppelten Armen und Beinen im Rollstuhl. Sein Englisch war deutlich flüssiger, für die Touristen hatte man ihm einen Spruch eingeprägt: „Excuse me, Miss, I want to tell you my story. I had an bad accident, thats why I can not walk. Before I study english and law, but now I can not continue my studies, because of the steps. Could you please support me a little bit? Sorry Miss, don’t be angry with me.” Ich gebe ihm einen Dollar, den er in seinem Hosenbund verstaut und biete ihm außerdem eine von meinen Bananen an, was er dankend ablehnt. Er möchte nichts essen, denn er kann nicht allein auf Toilette gehen. Tatsächlich besteht der junge Mann nur noch aus Haut und Knochen, ich kann ihn schließlich überreden, mit mir einen Fruitshake trinken zu gehen. Da es die billigen Fruitshake-Stände nur auf dem etwa 10 Minuten zu Fuß entfernten Markt gibt, gehen dem Rollstuhlfahrer alsbald die Kräfte aus. Kurzerhand mischen wir uns in den anschwillenden Freitagnachmittagsverkehr: Ich auf dem Rad mit ihm auf seinem Rollstuhl an der Hand. Eine Ausländerin allein auf dem Fahrrad ist schon eine Attraktion für die Khmer – mit dem Rollstuhlfahrer wird es richtig interessant und man zeigt mit Fingern auf uns (was hier als unhöflich gilt), grinst verunsichert, stößt den Nachbarn mit dem Ellenbogen an oder dreht sich auf dem vorbeifahrenden Moped noch mal um. Am Markt angekommen, macht niemand Anstalten, für uns die parkenden Mopeds wegzuschieben oder mir zu helfen, den Rollstuhl die Treppenstufen hochzuwuchten. Der junge Mann erzählt mir mehr von seinem Leben und es stehen ihm die Tränen in den Augen. Eigentlich hat er durch seine Behinderung ein ganz gutes Auskommen, vor allem die Touristen geben viel aus Mitleid, aber aus der Khmergesellschaft ist er ausgestoßen. Nur wegen Khmer New Year, der Zeit der Familie und Fröhlichkeit in Kambodscha, versucht auch er fröhlich zu sein und vielleicht bekommt er auch nächste Woche einen neuen Rollstuhl von einer ausländischen NGO.
2. Die Foreigner-Jugend und die reichen Khmer-Kinder
Am gleichen Abend noch, nachdem ich die Übelkeit von meiner letzten Begegnung mit einem Stück Pizza heruntergeschluckt hatte, traf ich mich mit meinem Arbeitskollegen und dessen gut situierten besten Freund, um auszugehen. Die beiden bevorzugen eine Lounge, ebenfalls am Fluss, wo immer die gleichen Hip Hop Sounds der Black Eyed Ps (oder wer auch immer) gespielt werden und die bevorzugt von den Kindern hier arbeitender Foreigner der International School besucht wird: Alle Herren im US-Sneakers-Tiefarschjeans-T-Shirt-Look die Damen dagegen leicht bis gar nicht bekleidet und alle beugen sie die Knie und wackeln mit dem Hintern wie überall auf der Welt bei dieser Art der Abendgestaltung. Meine kambodschanische Begleitung versucht sich möglichst unauffällig unter die Masse zu heben, mit Unterstützung der dickbäuchigen Security, die für die Gefälligkeiten freilich ein kleines Entgeld erhalten. Trotz aller Bemühungen wirken wir wie Fremdkörper in dieser eingeschworenen dekadenten Gesellschaft, die trotz aller widrigen Umstände versucht, eine möglichst westliche Jugendzeit zu verleben, weit weg von allem, was Kambodscha ist.
3. Politische Prominenz
Da jetzt zu Khmer New Year allerhand los war überall, wurde ich am Samstag von einem kambodschanischen Bekannten, einem jungen Mann, der seine Kindheit in Deutschland verbracht hat, eingeladen, ihn auf ein Dorffest zu begleiten, zu dem er wiederum von einer Studienkollegin eingeladen wurde. In Erwartung der nassen und staubigen New Year-Traditionen kleidete ich mich leger – einFehler – den dort angekommen, stellte ich fest, wie underdressed ich doch war (wie so oft hier in Kambodscha). Denn das Fest wurde gegeben von einem ziemlich hohen Tier in Kambodscha, des Regierungschef Hun Sens persönlicher Übersetzer und enger Berater. Sein Landsitz war unheimlich groß, voller fremder Bäume und dezenter Dekadenz. Beliebt bei den Dorfbewohnern, auf Grund seiner ausufernden Festlichkeiten, zu denen er alle einlädt, bescherte er seiner Partei in diesem Jahr einen unglaublichen Wahlerfolg in seiner Kommune. Jedenfalls durfte ich, der andere Ausländer und unsere Begleitung zum opulenten Mittagsmahl auf dem erhabenen Pavillon bei seiner Familie Platz nehmen, und er stieß sogar mit uns auf das neue Jahr an. Eine für mich unerwartete und seltsame Begegnung, besonders nachdem mir eine deutsche Freundin am Abend erzählte, was für eine negative Rolle der Herr in der Hun Sen-Dikatatur im Lande spielt.
4. Ein Musikdozent mit eigener Kneipe
Später am Abend erweiterte sich die Folge der skurilen Begegnungen um einen dickbäuchigen Herrn, der im Rotlichtviertel Phnom Penhs ein „Art Café“ eröffnet hat. Zum Einstieg zeigte er letzten Monat Boyys, jetzt war es ein Berliner Künstler mit einer aufwendigen Lichtinstallation. Dazu gab es ausgezeichneten Flammkuchen, auf den auch gern die Kunden der umliegenden Etablisments zurückgreifen, so das ab und zu ein leichtbekleidetes Khmermädchen in den Laden kommt, um ‚das Übliche’ zu bestellen. Der Besitzer kommt unüberhörbar aus Rheinland und unterrichtet an der Phnom Penher Uni Musik. Und davon hat er wirklich Ahnung: Ausschweifend erzählt er von Künstlern und deren Schaffensperioden, bevor er sich in einer schier endlosen Klagerede über das kambodschanische Bildungssystem verliert. Sein Sohn, der gerade das deutsche Abitur verfehlt hat, erzählt mir im gleichen Tonfall und mit einer übertrieben-expliziten Wortwahl, die mich in Verbindung mit dem Dialekt zum Schmunzeln bringt, wie froh er ist, der 12 Jahre andauernden Freiheitsberaubung durch die Schule endlich entkommen zu sein, um jetzt endlich von sich sagen zu können, dass er nicht weiß, was er machen wird, und das ist auch gut so.
5. Ein Aussteiger im ‚Edelweiß’
Den Sonntagabend verbrachte ich schließlich mit einer Freundin im ‚Edelweiß’ einer deutschen Kneipe am Fluss, von deren Bratkartoffeln mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammenläuft. Hier traf ich einen deutschen Aussteiger, der versucht, in Phnom Penh eine Snackbar zu eröffnen. Dieses Unterfangen zieht sich wohl schon länger hin, und wir wechselten das Thema über einzelne Vertreter der deutschen Gemeinde in PP hin zu deutschen Banken und Steuereintreibern, was auch wieder sehr skurril anmutete, mit den Händen auf der blau-weiß-karierten Tischdecke, und dem Blick auf den endlos vor der Tür vorbeiziehenden Schlangen an Mopeds, Cyklos und Autos der Phnom Penher Rushhour.