Wer kennt sie nicht, diese Ketten-E-Mails und ICQ-Nachrichten, die einem das absolute Glück, wenn man sie weiterleitet, und den sofortigen Tod, wenn man es nicht tut, versprechen?
Ich hab gestern Abend eine Ketten-Sms der besonderen Art bekommen:
Tell everyone, please don't eat the beef cuz some cows are dead at Svay Si So Phon (im Westen an der Grenze zu Thailand), maybe more than 100. Please forward this to everyone you know. Thanks
In diesem Fall könnte doch tatsächlich mal die üble Prophezeiung wahr werden.
Interessant auch, wie sich solche Meldungen hier verbreiten. Selbstverständlich ist aus den Medien heute nichts darüber zu erfahren. Aber wer weiß, wie viele Kühe tatsächlich gestorben sind, und ob überhaupt...
Ein gelungener
Artikel über Kambodschas Hauptstadt, für die, die es interessiert...
Da ich es in den letzten Tagen mit mehreren Travellern davon hatte, und dann heute auch noch diverse Banner in der Stadt hängen hab sehen, musste ich zu diesem Thema mal Genaueres erfahren:
Angkor Wat for 7 wonders!
Your Vote for Angkor!
(das liest man auf den Bannern, die an der Phnom Penher Uni hängen)

Und die Diskussionen mit den anderen Travellern gingen meistens darum, was die 7 Weltwunder überhaupt sind und ob oder warum Angkor Wat nicht dazu gehört. Keiner hat sie tatsächlich alle zusammenbekommen. Ich wusste zumindest, dass es alles Bauwerke der Antike waren und nur noch die Pyramiden stehen, aber über die Hängenden Gärten und den Koloss von Rhodos und irgendein Zeustempel in Athen bin ich auch nicht hinaus gekommen.
Hier noch mal die komplette Liste, natürlich aus meiner Lieblingsquelle
Wikipedia, die ja bekanntlich (ähnlich wie das Fernsehen) immer Recht hat:
- Die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon
- Der Koloss von Rhodos
- Das Grab des König Mausolos II. zu Halikarnassos
- Der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria
- Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten
- Der Tempel der Artemis in Ephesos
- Die Zeusstatue des Phidias von Olympia
Diese Liste stammt von Reiseführern älterer Zeiten, und laut Wiki gibt es mittlerweile diverse Versuche, die Liste an die aktuell noch bestehenden Bauwerke anzupassen, allerdings scheint keine dieser Listen wirklich etabliert zu sein, was auch die weitschweifenden Vorschläge der anderen Traveller bewiesen haben.
Jetzt gibt es ein neues Projekt, in Verbindung mit den Bannern, die an der Phnom Penher Uni hängen, und wahrscheinlich nicht nur dort: Jemand in der letzten Zeit am Eiffelturm, an Neu Schwanenstein, Machu Picchu und ähnlichen weltwunderwürdigen Menschenwerken vorbeigekommen? Da steht dann wahrscheinlich auch:
Votre vote pour Ségolène Royale le tour Eiffel! Oder so...
Auf jeden Fall wirbt diese Seite:
New7wonders jetzt ganz fleißig für
Deine Möglichkeit, Geschichte zu schreiben...Man kann wohl in dieser neuen Abstimmung die aktuellen Weltwunder bestimmen (gebaut vor dem Jahr 2000). Also ran an die Wahlurnen, öhm, Mäuse und Tastaturen und Stimme abgeben! Vielleicht kann man sich diese Sieben ja auch merken...
Warum eigentlich gerade Sieben? Das ist der Zauber dieser magischen Zahl Sieben: das Göttliche (3) addiert mit dem Irdischen (4), die Woche (in der Gott die Welt schuf), die 7 Berge der 7 Zwerge... Und wann sonst sollte dann die Entscheidung zu den neuen 7 Wundern fallen, wenn nicht am 07.07.07?
Ja was für ein ausgelutschtes Wortspiel das doch ist. Aber trotzdem immerwieder lustig...

Das Foto ist geklaut, und zwar von
hier. Ich würde euch gern eigene Bilder posten, aber noch immer kann ich meine Kamera nicht benutzen, was mich von Tag zu Tag mehr ankotzt. Es gibt so viele Sachen, die ich gern festhalten würde. Bei früheren Reisen war das kein Problem, da waren immer Leute mit Kameras dabei, aber diesmal... hmpf... Naja vielleicht wirds diese Woche was.
Zurück zum Meer. Ich bin dieses Wochenende meer (okay ich hör auf damit) oder weniger spontan an die Küste gefahren. Das dauert so vier Stunden mit dem Bus, kostet 3 Dollar und ist ziemlich unkompliziert. Unten angekommen, bin ich an den Touristrand gefahren, hab mir nen Guesthouse gesucht (Einzelzimmer sind verdammt teuer) und hab dann den Rest des Wochenendes an und in dem tollen Wasser verbracht, das dort in unendlichen Mengen an den Landrand schwemmt (genannt Meer). Phnom Penh ist so stressig, so heiß und von Feinstaub möchte ich gar nicht erst reden... So das man in der Stadt eigentlich nicht zur Ruhe kommen kann. So bot der Aufenthalt am Meer für mich eine der bisher sehr seltenen Möglichkeiten, mal so richtig auszuspannen. Und gerade als ich anfing, über gar nichts mehr nachzudenken und die Wellen meinen Kopf vollkommen frei geschwemmt hatten, war der Sonntagvormittag rum und ich fand mich im Bus Richtung Phnom Penh wieder. Aber so ist das ja immer, wenn man Urlaub macht.
Trotzdem muss ich sagen, dass es ein schöner Trip war, auch wenn ich allein unterwegs war. Am Strand fanden sich so viele Leute, mit denen man bei Bedarf einen Traveller-Smalltalk halten konnte, und wenn man seine Ruhe will, dann hat man dort seine Ruhe... Und dann die Meeresfrüchte... Lecker.
Im krassen Gegensatz dazu natürlich auch die vielen Kinder, die an den Touristenstränden auf und ab laufen, um Massagen, Armbänder und Epilierung verkaufen, anstatt in die Schule zu gehen.
Zu den drei Feiertagen von Khmer New Year ist Phnom Penh so gut wie ausgestorben - ein Großteil der Stadtbewohner hat sich aufgemacht zu den Familien aufs Land. Ich bin hier geblieben und hatte das ganze Wochenende über interessante Begegnungen, die ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte.
Der Text artet wieder einmal aus, deswegen heute unterteilt in Unterkapitel, so das jeder sich heraussuchen kann, was interessiert.
1. Der Bettler
Es war Freitag Nachmittag, auf Grund der anstehenden drei Feiertage zum Khmer New Year hatte ich ihn frei und es zog mich, des lauen Windes wegen, der dort immer vom Wasser her weht und die Flaggen entlang der Uferpromenade zum flattern bringt, an das Flussufer. Es dauerte nicht lang und ich war nicht mehr allein auf der Kaimauer mit meinem Buch – ein kambodschanischer Phnom Penh Tourist wollte mich gern ein bisschen ausfragen. Leider oder zum Glück war sein Englisch mehr als spärlich, so dass das Gespräch als bald ins Stocken geriet. Aber schon war der Nächste zur Stelle: ein junger Mann mit verkrüppelten Armen und Beinen im Rollstuhl. Sein Englisch war deutlich flüssiger, für die Touristen hatte man ihm einen Spruch eingeprägt: „Excuse me, Miss, I want to tell you my story. I had an bad accident, thats why I can not walk. Before I study english and law, but now I can not continue my studies, because of the steps. Could you please support me a little bit? Sorry Miss, don’t be angry with me.” Ich gebe ihm einen Dollar, den er in seinem Hosenbund verstaut und biete ihm außerdem eine von meinen Bananen an, was er dankend ablehnt. Er möchte nichts essen, denn er kann nicht allein auf Toilette gehen. Tatsächlich besteht der junge Mann nur noch aus Haut und Knochen, ich kann ihn schließlich überreden, mit mir einen Fruitshake trinken zu gehen. Da es die billigen Fruitshake-Stände nur auf dem etwa 10 Minuten zu Fuß entfernten Markt gibt, gehen dem Rollstuhlfahrer alsbald die Kräfte aus. Kurzerhand mischen wir uns in den anschwillenden Freitagnachmittagsverkehr: Ich auf dem Rad mit ihm auf seinem Rollstuhl an der Hand. Eine Ausländerin allein auf dem Fahrrad ist schon eine Attraktion für die Khmer – mit dem Rollstuhlfahrer wird es richtig interessant und man zeigt mit Fingern auf uns (was hier als unhöflich gilt), grinst verunsichert, stößt den Nachbarn mit dem Ellenbogen an oder dreht sich auf dem vorbeifahrenden Moped noch mal um. Am Markt angekommen, macht niemand Anstalten, für uns die parkenden Mopeds wegzuschieben oder mir zu helfen, den Rollstuhl die Treppenstufen hochzuwuchten. Der junge Mann erzählt mir mehr von seinem Leben und es stehen ihm die Tränen in den Augen. Eigentlich hat er durch seine Behinderung ein ganz gutes Auskommen, vor allem die Touristen geben viel aus Mitleid, aber aus der Khmergesellschaft ist er ausgestoßen. Nur wegen Khmer New Year, der Zeit der Familie und Fröhlichkeit in Kambodscha, versucht auch er fröhlich zu sein und vielleicht bekommt er auch nächste Woche einen neuen Rollstuhl von einer ausländischen NGO.
2. Die Foreigner-Jugend und die reichen Khmer-Kinder
Am gleichen Abend noch, nachdem ich die Übelkeit von meiner letzten Begegnung mit einem Stück Pizza heruntergeschluckt hatte, traf ich mich mit meinem Arbeitskollegen und dessen gut situierten besten Freund, um auszugehen. Die beiden bevorzugen eine Lounge, ebenfalls am Fluss, wo immer die gleichen Hip Hop Sounds der Black Eyed Ps (oder wer auch immer) gespielt werden und die bevorzugt von den Kindern hier arbeitender Foreigner der International School besucht wird: Alle Herren im US-Sneakers-Tiefarschjeans-T-Shirt-Look die Damen dagegen leicht bis gar nicht bekleidet und alle beugen sie die Knie und wackeln mit dem Hintern wie überall auf der Welt bei dieser Art der Abendgestaltung. Meine kambodschanische Begleitung versucht sich möglichst unauffällig unter die Masse zu heben, mit Unterstützung der dickbäuchigen Security, die für die Gefälligkeiten freilich ein kleines Entgeld erhalten. Trotz aller Bemühungen wirken wir wie Fremdkörper in dieser eingeschworenen dekadenten Gesellschaft, die trotz aller widrigen Umstände versucht, eine möglichst westliche Jugendzeit zu verleben, weit weg von allem, was Kambodscha ist.
3. Politische Prominenz
Da jetzt zu Khmer New Year allerhand los war überall, wurde ich am Samstag von einem kambodschanischen Bekannten, einem jungen Mann, der seine Kindheit in Deutschland verbracht hat, eingeladen, ihn auf ein Dorffest zu begleiten, zu dem er wiederum von einer Studienkollegin eingeladen wurde. In Erwartung der nassen und staubigen New Year-Traditionen kleidete ich mich leger – einFehler – den dort angekommen, stellte ich fest, wie underdressed ich doch war (wie so oft hier in Kambodscha). Denn das Fest wurde gegeben von einem ziemlich hohen Tier in Kambodscha, des Regierungschef Hun Sens persönlicher Übersetzer und enger Berater. Sein Landsitz war unheimlich groß, voller fremder Bäume und dezenter Dekadenz. Beliebt bei den Dorfbewohnern, auf Grund seiner ausufernden Festlichkeiten, zu denen er alle einlädt, bescherte er seiner Partei in diesem Jahr einen unglaublichen Wahlerfolg in seiner Kommune. Jedenfalls durfte ich, der andere Ausländer und unsere Begleitung zum opulenten Mittagsmahl auf dem erhabenen Pavillon bei seiner Familie Platz nehmen, und er stieß sogar mit uns auf das neue Jahr an. Eine für mich unerwartete und seltsame Begegnung, besonders nachdem mir eine deutsche Freundin am Abend erzählte, was für eine negative Rolle der Herr in der Hun Sen-Dikatatur im Lande spielt.
4. Ein Musikdozent mit eigener Kneipe
Später am Abend erweiterte sich die Folge der skurilen Begegnungen um einen dickbäuchigen Herrn, der im Rotlichtviertel Phnom Penhs ein „Art Café“ eröffnet hat. Zum Einstieg zeigte er letzten Monat Boyys, jetzt war es ein Berliner Künstler mit einer aufwendigen Lichtinstallation. Dazu gab es ausgezeichneten Flammkuchen, auf den auch gern die Kunden der umliegenden Etablisments zurückgreifen, so das ab und zu ein leichtbekleidetes Khmermädchen in den Laden kommt, um ‚das Übliche’ zu bestellen. Der Besitzer kommt unüberhörbar aus Rheinland und unterrichtet an der Phnom Penher Uni Musik. Und davon hat er wirklich Ahnung: Ausschweifend erzählt er von Künstlern und deren Schaffensperioden, bevor er sich in einer schier endlosen Klagerede über das kambodschanische Bildungssystem verliert. Sein Sohn, der gerade das deutsche Abitur verfehlt hat, erzählt mir im gleichen Tonfall und mit einer übertrieben-expliziten Wortwahl, die mich in Verbindung mit dem Dialekt zum Schmunzeln bringt, wie froh er ist, der 12 Jahre andauernden Freiheitsberaubung durch die Schule endlich entkommen zu sein, um jetzt endlich von sich sagen zu können, dass er nicht weiß, was er machen wird, und das ist auch gut so.
5. Ein Aussteiger im ‚Edelweiß’
Den Sonntagabend verbrachte ich schließlich mit einer Freundin im ‚Edelweiß’ einer deutschen Kneipe am Fluss, von deren Bratkartoffeln mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammenläuft. Hier traf ich einen deutschen Aussteiger, der versucht, in Phnom Penh eine Snackbar zu eröffnen. Dieses Unterfangen zieht sich wohl schon länger hin, und wir wechselten das Thema über einzelne Vertreter der deutschen Gemeinde in PP hin zu deutschen Banken und Steuereintreibern, was auch wieder sehr skurril anmutete, mit den Händen auf der blau-weiß-karierten Tischdecke, und dem Blick auf den endlos vor der Tür vorbeiziehenden Schlangen an Mopeds, Cyklos und Autos der Phnom Penher Rushhour.
ins
Khmer New Year

(des Schweins)!
Auf
dem neuen Blog des besten aller Aves gefunden, und so lange gegrinst, bis die Kollegen komisch schauten

Wuhaa! mein Name im Internet...
The Mekong River Swim Blog - Allerdings ohne Zeit *schnief*... mit 17:13 Minuten (ehrlich!) lande ich nach meiner Berechnung hinter dem Mittelfeld ;-)
Bilder gibts auch. Ich bin nicht wirklich festgehalten. Bei den Bildern von einer großen Gruppe im Wasser stehend lässt sich mein Rücken, der noch 3mal weißer ist als der Rest, mit etwas Phantasie ausmachen.
Am Montag fuhren ich und mein Boss auf Geschäftsreise nach Battambang. Eine Nacht im klimatisierten Hotel schien der Himmel auf Erden – Stadtbesichtigung, Fruitshake trinken und Buisness-Essen – alles war unwichtig gegenüber 18 Grad Raumtemperatur, Animal Planet und den weißen Laken des riesigen Hotelbetts, die mehr als nur willkommene Abwechslung waren gegenüber dem üblichen Brett und Strohsack, auf denen ich meine Nächte zu verbringen pflege. Zu früh gefreut – nach seeligen Träumen von Jaakob und seiner Rahel (ich lese gerade Joseph und seine Brüder – vielleicht bald mehr dazu im Bücher-Stöckchen) wache ich auf mit einem leichten Kratzen im Hals, das sich bis zum Abend zu vollkommenem Stimmverlust ausweitete. Zum Glück legen die Kambodschaner Wert auf so wenig Bewegung wie möglich (als wir neulich eine Familie auf dem Land besuchten, rissen diese sogar ihren Zaun nieder, damit wir vor der Haustür parken konnten!!!) und ich werde zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt mit dem Moped chauffiert.
Battambang scheint mir die schönste Stadt des Landes zu sein: Ohne den hektischen Verkehr und das Pseudo-West-Lebensgefühl Phnom Penhs und ohne die vom Tourismus verdorbene Atmosphäre Siem Rieps präsentiert sich diese Stadt wie eine glitzernde Perle im staubigen Kambodscha. Die von Zeit und Wetter gegerbten Häuser im wunderschönen französischen Kolonialstil prägen das Stadtbild und vermitteln ein Gefühl des vergangenen Jahrhunderts, als die Kolonialherren noch durch die Straßen liefen, mit Tropenhelm, staubfarbenem Anzug und einem Sklaven, der ihnen Luft zufächerte.
Bei einem unserer Geschäftsessen komme ich in den Genuss einer weiteren kambodschanischen Spezialität: Rote Ameisen. Die werden mit Hilfe eines Eimers an einem langen Stab von dem Bäumen geschüttelt und dann im Wok gegrillt. Zubereitet mit Rindfleisch, Fischsoße und höchstwahrscheinlich viel Glutamat schmecken die eigentlich ganz lecker, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Geschmack nicht eher von den anderen Incredentien bestimmt wurde. Von der ihnen nachgesagten fiebersenkenden Wirkung merke ich allerdings nichts.
Das letzte Meeting findet am Dienstag mit einer, in Kambodscha nicht unüblichen, Verspätung von einer Stunde statt. Nachdem man ewig über, nach meiner Meinung absolut unwichtige, Themen wie die Buchstabierung der Namen der Teilnehmer diskutiert hatte, fahren wir gegen 16 Uhr endlich in Battambang ab (anderthalb Stunden später als geplant) und hier beginnt der spannende Teil dieses Ausfluges.
Die National Road No. 5 ist ein schätzungsweise 8 Meter breites Asphaltband ohne Markierungen, dass sich von Poipet an der Grenze nach Thailand bis nach Phnom Penh erstrecht. Das Land auf dieser Strecke ist wie fast überall in Kambodscha platt wie ein Pfannkuchen, die Straße hat so gut wie keine Kurven und scheint nicht allzu alt zu sein: Der Asphalt ist vom Wetter und der Benutzung gewellt, aber noch gut in Schuss. Bei Tag sicherlich ein Abenteuer, aber richtig Spaß macht es erst, diese Strecke bei einbrechender Dunkelheit – zur Rushhour – zu fahren. Gegen 18 Uhr wird es richtig spannend und die Heimfahrt erinnert mich immer mehr an ein Computerspiel. Das Leben der Menschen auf der Strecke wird von der Straße und der Sonne bestimmt. Sobald diese untergeht ist alles auf dem Weg nach Hause: Zu Fuß, mit dem Rad oder Moped, zu 30st auf dem Dach eines Kleinbusses, auf einem Ochsenkarren oder dem Rücken eines Wasserbüffels. Links und rechts der Straße stehen die wackeligen Holzhütten auf Stelzen unter denen sich die Familien versammeln, hier und da brennt ein Feuer, manche Wohnstätten sind vom kalten Licht einer Neonröhre erhellt und ab und zu flimmert ein Fernseher, angeschlossen an eine Autobatterie. Strom oder Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Doch habe ich nur wenig Zeit, mich dem Leben am Straßenrand zu widmen, mein fluchender und hupender Boss zieht meine Aufmerksamkeit auf die Straße vor und hinter uns. Vor uns steht die Straße voller Menschen – nicht nur in Deutschland ein sicheres Zeichen für einen Unfall – nur sind das nicht nur Gaffer, in Kambodscha benötigen die Unfallopfer jede Hilfe, Krankwagen gibt es nicht. Gerade wird ein Mann mit schmerzverzerrten Gesicht auf die Ladefläche eines Pickups gehoben, Dorfbewohner schaffen Stroh zu seiner Polsterung heran. Zum Glück ist das Krankenhaus in Battambang nur eine Stunde entfernt – für Leute mit schwereren Verletzungen sicherlich zu weit. Wir fahren weiter. Mein Chef hupt mittlerweile mehr als das er bremst. Es geht in atemberaubender Geschwindigkeit vorbei an Ochsenkarren, Mopeds und langsamen Camrys, denen mein Fahrer nur ein verächtliches Grinsen schenkt. Wir beide sitzen mittlerweile nach vorn gebeugt und voll konzentriert in unseren Sitzen. Jedes zweite entgegenkommende Auto blendet auf und macht keine Anstalten, für uns Abzublenden. Wir tun es ihnen schließlich gleich. Sichtweite ist trotzdem gleich null. Immer wieder tauchen plötzlich unbeleuchtete Karren, Mopeds, Sandhaufen, riesige Schlaglöcher oder selber gebaute Autos vor uns auf. Es gilt, diese zügig zu umfahren, dabei niemandem die Möglichkeit zu geben, uns zu überholen und den Gegenverkehr in den Straßengraben zu drängen. Alles untermalt durch die grelle Hupe, ständiges Auf- und Abblenden und lautes Fluchen auf Deutsch (‚Maaaaann! Haaalllooo? Arrsch!’ – was man eben so sagt ;-). Gerade beim Durchfahren der Schlaglöcher sind wir mit unseren 300kg Reis und Sand auf der Ladefläche einigen Fahrzeugen gegenüber im Vorteil. Auf offener Fläche schaffen es doch viele, uns zu überholen, vor allem die, die sich einen Vorteil verschaffen, indem sie in der Ortschaft nicht bremsen. Die Drängler werden dann von uns ebenfalls bedrängt und in der Rückspiegel geblendet – Rache ist Blutwurst.
Gegen 20 Uhr wird es schließlich ruhiger auf der National Road No. 5, nur einzelne Wasserbüffel und Hunde kreuzen unseren Weg. Trotz Klimaanlage kommen wir gegen halb 10 komplett durchgeschwitzt in Phnom Penh an.
Yaaaaww!
Heute hab ich schier Uebermenschliches geleistet und den Mekong ueberquert (obwohl es sich im Moment schwieriger gestaltet, eine Verbindung mit der GMX-Homepage herzustellen).
Puenktlich um sechs bin ich an diesem leicht bewoelkten Sonntag aufgestanden, um mit meinem kambodschanischen Fanclub an den Ort des Geschehens, Preak Leap, etwas ausserhalb von Phnom Penh, zu fahren.
Dort schienen sich alle Langnasen von Phnom Penh versammelt zu haben: An jeder Ecke wurde eine andere Sprache gesprochen, vorrangig aber Französisch und das schwer verständliche australische Englisch und Khmer natürlich. Wobei so gut wie gar keine Kambodschaner mitgeschwommen sind - da es hier so wenige Möglichkeiten gibt es zu lernen, kann eigentlich so gut wie kein Khmer schwimmen: Als ich letzte Woche meinen Arbeitskollegen von der Idee erzählte, den Fluss zu durchschwimmen, erntete ich nur ungläubiges Staunen oder wurde milde belächelt, wie s0 viele der seltsamen Barang-Ideen (z.B. auch Sonntag nachmittags mit dem Rad in die Stadt fahren...).
Zurück zum Mekong: Nach schier endloser Wartezeit erscholl endlich das Startsignal und etwa 100 Schwimmer warfen sich wild mit den Armen rudernd in die Fluten. Ich war etwas irritiert ueber diesen Enthusiasmus, hatte ich mich doch eben noch so nett mit meiner Nachbarin, Nummer 200, unterhalten. Die lag mittlerweile auf dem Ruecken und zog in langsamen Zuegen dem Hauptfeld hinterher. Also machte ich mich auch auf die Flossen. Das Wasser war nicht so heiss wie die Luft, nicht zu verwechseln mit kuehl. Je weiter ich in die Mitte kam, umso mehr Schaum schaukelte auf den Wellen, aber insgesamt war der Fluss sauberer, als ich erwartet hatte.
Die ca. 800 meter überwand ich in 17 Minuten, womit ich im letzten Drittel der Schwimmer auf der anderen Seite eintraf. Das ist sicherlich nur auf meinen schlechten Start und fehlenden Kampfgeist zurückzuführen ;-)
Das ganze war aber ein riesen Spass, und wer möchte nicht von sich behaupten, einmal den Mekong durchschwommen zu haben? Ich kann das jetzt jedenfalls mit Recht auf jeder langweiligen Party von mir geben. Wieder und wieder. Außerdem hab ich einen guten Einblick in die Phnom Penher Foreigner-Gemeinde bekommen: Einige beim Khmer Rouge Tribunal, viele Lehrer, viele Christen...
Was ich noch davon getragen habe, ist ein Sonnenbrand ohne Gleichen. Ich bin noch nicht entschieden, auf welcher Seite ich heute Nacht schlafen werde ;-)
Außerdem ist ein nettes T-Shirt zum Angeben rausgesprungen, was will man mehr.
Hier gibt es keine Ostern, aber wer will schon Ostereier suchen, wenn man statt dessen ebenso runde, riesige Wassermelonen auf dem Markt finden kann?
Trotzdem: Ein schönes Fest, liebe Leser!
Uuups, mein Geldbeutel geht nicht mehr zu.
Und ich hab mal grob geschätzt: der Grund sind etwa siebzig Scheinchen. Vielleicht sollte ich auch anfangen, das Geld wie die Kambodschaner als fettes Bündel in meiner Hemdtasche aufzubewahren.