Donnerstag, 2. August 2007

Tja, muss ja...

Nach der langen Phase der Abstinenz werde ich mich mal langsam wieder ans Bloggen wagen. Leichter als jetzt kann mir die Themenfindung eigentlich nicht fallen, aber trotzdem bekomme ich zur Zeit keinen anständigen Satz zu Ende. Einen Pflichtartikel zu einem Thema, das mich wirklich interessiert, nämlich meiner Kambodschazeit, habe ich in geschlagenen drei Tagen harten Grübelns mehr schlecht als recht zustande gebracht. Zu Schreibmaschinenzeiten hätte ich in der Konzeptionsphase wahrscheinlich einen Mülleimer mit zerknüllten Zetteln füllen können. Ein Hoch auf die Deletetaste, wer weiß, wie viele tausend Hektar Regenwald die schon vor der Abholzung bewahrt hat.
Um einen sanften, völlig politisch korrekten und unkomplizierten Beitrag schreiben zu können bietet sich mein Hamburg-Wochenende an. Zuerst einmal möchte ich betonen, dass Mitfahrgelegenheiten die beste Methode sind, die großen Strecken zurückzulegen. Hin und zurück kostete zusammen weniger als die Hinfahrt mit dem Ice, und das, obwohl ich eine Bahncardbesitzerin bin. Und wenn man dann noch bis vor die Haustür gebracht wird...
Die Hansestadt präsentierte sich stilecht in einem grauen Dauerregen – ein Fakt, der mich und -- arg... an dieser Stelle habe ich mich schon wieder abgelenkt – und zwar mit dem aus psychologischer Sicht interessanten Versuch, einen Simpsons Avatar zu erstellen, der mir irgendwie ähnlich sieht – wenigstens bin ich nicht die einzige auf dem Selbstfinungstrip -- zurück zum Text: Ich und meine wunderbare (!!) Stadtführerin Regensonne trotzten den Wettern, sprangen todesmutig in eine Barkasse, umrundeten Ladungsbrücken und Speicherstadt, überstanden kreischend meine erste Geisterbahnfahrt auf dem Dom, und verbrachten zu dem noch einige angenehm wortreiche Stunden auf diversen U-Bahn-Sitzen. Was will man mehr?
Außerdem trat ich an zum zweiten FTP-Workshop innerhalb von zwei Wochen, ob endlich etwas hängen geblieben ist, wird sich zeigen.
Hamburg, die Medienstadt schlechthin, sicherlich war ich nicht das letzte Mal dort...
Soviel zum Einstieg, eigentlich gibt es viel mehr zu bebloggen in der nächsten Zeit, denn es steht der vierte Umzug in diesem Jahr an, und der scheint endgültig zu sein... Mal sehn, ob ich mich aufraffen kann!

Montag, 9. Juli 2007

Angekommen

Ich bin wieder da.
Ehrlich gesagt schon seit Wochen, aber Zeit war vorher keine. Jetzt eigentlich auch nicht.
Mein Blog wird älter und jetzt kann man schon Ereignisse vergleichen, die jährlich stattfinden, und die ich hier schon dokumentiert habe.
Wie das Rudolstädter Tanz- und Folkfest auf dem ich am Wochenende war. Da hat es nämlich im letzten Jahr geregnet: Guckst du hier.
Dieses Jahr dagegen lachte die Sonne, die Musik war super und meine Waden sind steif vom Tanzbein-Schwingen.
Eine super Veranstaltung, obwohl ich alles vergessen habe, was man nicht vergessen darf (Stöpsel für die Ohren, Isomatte, passende Schuhe...) und zwischendrin mal nach Bamberg fahren musste - was mir übrigens die Festival-Note versaut hat: Kein Mensch duscht da zwischendrin...
Die Acts waren wie immer eher unbekannt (bis auf die Gianna Nanini - aber die war arg kratzig und poppig. Bellooo Bello Impossibile...), aber sehr gut tanzbar, alles. Ich habe sogar gewalzt!
Jetzt die üblichen Erschöpfungserscheinungen, aber irgendwann nächste Woche wird sicherlich Zeit sein, das Schlafdefizit auszugleichen.
In dem Sinne melde ich mich offiziell zurück. In Bamberg und Web 2.0 :)

Montag, 11. Juni 2007

Dah'ling

Die letzten beiden Wochen habe ich einen Intensiv-Urlaub durchgezogen. Mit Besuch im Gepäck ging es erst nach Kratie, einer kleinen Stadt am Mekong, der dort besonders tief ist und eine Delfin-Kolonie beherbergt, dann weiter nach Siem Reap, wo wir im Schnelldurchgang die Tempel besichtigten und zum Schluss noch ein paar Tage am Meer in Kampot und Kep (meine Lieblingsecke in Kambodscha). Hier haben wir flotte Mopeds ausgeliehen und sind ein bisschen an der Küste entlang gedüst. Ein gespenstischer Landstrich: Während es vor 50 Jahren das Vorzeige-Strandbad Kambodschas war, voller Villen reicher Kambodschaner, mit beleuchteter Promenade, Königsresidenz und Springbrunnen sind davon jetzt nur noch Ruinen übrig geblieben. In ihrem Wahn, eine Gesellschaft ohne Unterschiede zu schaffen, wurde dieser Landstrich mit seinen Villen samt deren Bewohner von den Roten Khmer einfach platt gemacht. Übrig geblieben sind imposante Steinmauern, Fundamente, manchmal eine Treppe ins Nichts oder die Grundmauern der einen oder anderen Villa, die ein bisschen nach Bauhaus aussieht und in der jetzt Bauernfamilien mit ihren Tieren hausen...
Jetzt bin ich zurück in Phnom Penh, der Besuch ist schon wieder weg und es bricht eine arbeitreiche Woche an und dann geht es schon wieder nach Hause...
Gestern: Der vorletzte Sonntag und der letzte, an dem ich richtig Zeit habe. Während ich mich am Vormittag in den Untiefen des OPACs herumgetrieben und mittags (schon sehr lange liegen gebliebene) Klamotten gewaschen und sogar mal meine Bude durchgekehrt habe, war der Nachmittag frei für eine ausgedehnte Tour durch die Stadt auf meinem Radl. Eine Idee, auf die am Sonntag nicht nur ich komme. Am Fluss (die Flaniermeile) angekommen, fand ich mich in einer rollenden Mopedmasse wieder. Auf jeder Sitzbank mindestens drei Passagiere, jeder plauschte beim Fahren mit jedem, lange schwarze Haare flatterten und ich war ganz im Rausch des „Dah’ling“ – wie es die Kambodschaner nennen – Rumfahren, gucken, Spaß haben. Cruisen ist vielleicht eine passende Übersetzung. Aber in Kambodscha nimmt das ganz andere Ausmaße an: Hier sorgen die Sonntagsfahrer regelmäßig für Innenstadtverstopfung. Einmal rammte mich sogar ein Moped recht unsanft, aber ich blieb bei diesem ersten ‚Unfall’ überhaupt zum Glück unversehrt. Doch der Schreck hielt nicht lange an, denn schon war meine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße vor mir konzentriert, wo der Tourie-Elefant der Stadt gerade zwischen den Mopeds auf dem Heimweg war. Langsam rollte ich vorbei an dem Riesen mit den rundgelaufenen Stampfern und im nächsten Moment war schon mein Kumpel Bo neben mir, der auch auf eine Runde Dah’lng in der Stadt unterwegs war. Fahrrad neben Moped rollten wir durch den Rummel der Stadt, vorbei an lauten Musikständen, Riesenrad und hunderten Süßigkeitenwagen.
Jetzt sitze ich mal wieder im FCC, über der belebtesten Straße der Stadt und schaue noch mal in den ewig vorbeiziehenden Strom aus Mopeds, mit den jungen Leuten, die dicht aneinander gedrängt vor ihrem Alltag wegfahren...

Freitag, 25. Mai 2007

Od’banja’ha

Kambodscha ist das Null-Problemo-Land schlechthin.
Möchte ich ein freundliches „Od’banja’ha“ hören, brauche ich mich nur für irgendwas zu entschuldigen. Ob: „Sorry, I’m late.“ (abends halb 11, wenn die Vermieter-Mutti schon oben auf dem Balkon steht und wartet, um abschließen zu können), “I didn’t know that” (absolut underdressed auf einem Dorffest, dass sich als eine Art Staatsempfang entpuppte) “Sorry, I forgot our appointment” (als mich mein Gegenüber 30 Minuten später anruft) oder “Oh, I am so sorry” (nachdem ich mit meinem Fahrrad beim Ausparken ein Moped gerammt hatte, bei dem auch glatt ein Stück Schutzblech abbrach) – immer kommt die gleiche Antwort: “No problem - Od’banja’ha“. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich sogar an einem Restaurant vorbei, das ‚No Problem’ heißt.
Das ist wahrscheinlich eine Art Reflexreaktion, dass auf das Wort ‚Sorry’ ‚No Problem’ folgen muss, ähnlich wie bei ‚How are you’ und ‚Thank you I’m fine, and you?’.
Ich frage mich, ob damals, als Pol Pots Brüder Nummer 2 und 3 1998 offiziell nach Phnom Penh kamen, um sich für die Taten der Khmer Rouge bei den Kambodschanern und auch ‚den Tieren, die unter den roten Khmer gelitten haben’ zu entschuldigen und „sorry, very sorry“ ins Mikrophon logen, auch der eine oder andere Kambodschaner, dessen Eltern und 3 Geschwister auf Pol Pots Schlachtfeldern verhungert sind oder tot geschlagen wurden, vor seinem Fernseher oder dem Miniradio irgendwo in der Provinz schulterzuckend „Od’banja’ha“ murmelte.
Und bisher war es auch noch nie ein Problem für die beiden, dass sie eine tragende Rolle in diesem grausamen Völkermord gespielt haben. Noch können sie sich unbehelligt um ihre Vorgärten kümmern, gesponsert von der aktuellen Regierung, Premier Hun Sen ist ja ein alter Parteikumpel.
Doch jetzt kommen die Ausländer und machen Stress mit ihrem Khmer Rouge Tribunal, dabei hat man doch in Kambodscha ganz andere Probleme, als sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Wieso alte Wunden aufreißen oder die Jugend verunsichern, vor denen man das Massengemetzel von vor 30 Jahren so gut verschwiegen hat?
Od’banja’ha

Montag, 21. Mai 2007

Germanisten-Quiz

Auf Spiegel-Online kann man seine Belesenheit testen.
Das Bucheinstiegsquiz.
Meine 21 Punkte waren aber eher das Ergebnis glücklichen Ratens.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Jubilääääum

10001
Und schon wieder muss ich mich für meine Photoshop-Zeichnungen loben :-D

Dienstag, 15. Mai 2007

Dort, wo der Pfeffer wächst

Der normale Tourist besucht auf der üblichen Kambodscharoute die beeindruckenden Tempel der Khmer in Siem Reap. Zu Recht wird Angkor Wat als ein neues Weltwunder vorgeschlagen. Phnom Penh als Ausgangspunkt jeder weiteren Reise durch Kambodscha verdient auf dem Reiseplan auch oft zwei bis drei Nächte, um einen Einblick in die blutige Vergangenheit des Landes zu bekommen und die Prunkbauten des Monarchen in der Landeshauptstadt zu besichtigen. Zum Schluss wendet sich der Durchschnittsreisende nach Süden, um in Sihanukville ein paar entspannte Tage am Meer zu verbringen.
An diesen drei Orten versammeln sich auch die Kambodschaner, die vom Tourismus leben, wie Ameisen um Zucker, der auf den Boden gefallen ist. Da die Tourismusindustrie ohne jede Regelung wächst und sich entwickelt, kann das auch schnell unangenehm für die Touristen werden: Wenn man zum Beispiel am Strand liegt und alle zwei Minuten ein kaum 12jähriges Mädchen vorbeikommt, um eine Massage, Maniküre oder frische Früchte anzubieten und sich mit einem einfachen Nein in 90% der Fälle auch nicht abspeisen lässt. Oder wenn man nicht 20 Meter durch Phnom Penh laufen kann, ohne dass ein Mototaxi-Driver anhält und lüstern grinsend auf seine Rückbank klopft: „Lady – Where do you go?“
Das Kambodscha so viel mehr ist als Siem Reap, Killing Fields und Sex, Drugs and Rock’n Roll in Sihanukville habe ich am vergangenen Wochenende mal wieder gesehen.
Mit zwei Freundinnen machte ich mich am Freitag Nachmittag auf den Weg nach Kampot: eine Stadt nahe der Küste, etwas weiter östlich als Sihanukville. Der Bus war alt, verdreckt und klapperig, aber abgesehen von einem geplatzten Reifen kamen wir heil und pünktlich in dem gemütlichen Örtchen an. Ein sauberes Guesthouse für 2 Dollar die Nacht war schnell gefunden. Eingecheckt und frisch geduscht machten wir uns auf den Weg durch das Städtchen. Kein Mototaxi war nötig, denn alles ist zu Fuß erreichbar. Und sofort fiel auf: Es stank nicht, kein Mototaxidriver schnalzte uns hinterher und auch die Straßenränder waren nicht zugemüllt, sondern grün und mit netten kleinen Blumenkästen geschmückt. Adrette, vom Verfall gezeichnete Kolonialbauten reihten sich auf der rechten Seite aneinander, links der Straße floss breit und ruhig der Fluss, an dessen anderem Ufer sich die bewaldeten Hänge des Elefantengebirges erhoben, die Hügelkuppen geheimnisvoll in leise ziehende Wolken gehüllt.
Dort zwischen den Wolken lag auch unser Ziel für den nächsten Tag: Der Bokor Hill National Park. Dieser Urwald bietet neben Elefanten und Tigern eine der meiner Meinung nach größten Attraktionen Kambodschas: Ghost Town - Eine in den 20ern gebaute Vergnügungsanlage der Franzosen mit Hotel, Kasino und Kirche, die seit dem Bürgerkrieg der 70er im nass-kalten Dschungelklima vor sich hin gammelt.
Organisierte Touren, inklusive Trekking, Mittagscurry und einer Bootstour zurück, bringen täglich einige Pick-Up-Ladungen Touristen auf den Berg. Jetzt weiß ich auch, was mit „bumpy road“ gemeint ist: Zwei Stunden lang schleppte sich unser Wagen von einem Schlagloch in das nächste. Auf dem Plateau angekommen, wandelten sich Stimmung und Klima, von sonnig-mediterran zu kalt, nass und nebelig. Während das Kasino nur noch in den Grundmauern erhalten ist, kann man das ehemalige Hotel besichtigen. Der Nebel begrenzte unser Sichtfeld auf vielleicht 20 Meter, danach weißes Nichts. So war das Gebäude erst dunkel und riesig erkennbar, als wir direkt vor dem imposanten Portal standen. Der Eintritt in das Foyer war wie der Eintritt in eine andere Welt: Dunkle, von Graffiti überzogene Wände, Nebelschwaden, die wie wehende weiße Vorhänge zu den Fenstern reinzogen, Überreste des einst prunkvollen Marmorbodens und von weit hallende Schritte und leise Gespräche anderer Besucher, die man in dem Labyrinth aus Stockwerken, Treppen, Balkonen und Zimmern aber nicht zu sehen bekam. Die perfekte Kulisse für einen Horrorfilm, dachte ich die ganze Zeit. Unvorstellbar, dass sich dort vor wenigen Jahrzehnten noch die Highsociety Kambodschas die Zeit vertrieb.
Ewig hätte ich durch die Räume streifen können, aber unser Guide leitete uns sicher aus dem Haus zurück zum Pickup, zurück in die Hitze.
Den zweiten Tag verbrachten wir am Meer, in dem nahen Strandbad Kep, mit Krabben, die wir knackten, bis die Finger bluteten und dem besten Pfeffer überhaupt: Kampot-Pfeffer.
Der Weg zurück ins laute, stinkende Phnom Penh fiel ziemlich schwer. Aber es hat sich wirklich gelohnt, dorthin zu fahren, wo der (beste) Pfeffer wächst.
Meine Fotos vom Grusel-Hotel

Freitag, 11. Mai 2007

Ronan Keating live

Wer haette gedacht, das ich diese Headline jemals verwenden wuerde.
Nun ist der Tag gekommen und vor Spannung zitternd erwarten die geehrten Leser mein Statement.
Nujaa. Ich bin bekannterweise kein Keating-Fan und auch die Boyband-Phase, die mich in den 90ern eigentlich haette fest im Griff haben sollen, ist aus unerklaerlichen, myserioesen Gruenden an mir vorbei gezogen. Trotzdem kenn ich den einen oder anderen Gassenhauer des Kuenstlers. Es sind sogar gewaltig viele, die durch die Dauerbeschallung von Jump FM in mein Unterbewusstsein eingesickert sind, um zu dem Konzert am Mittwoch ihren grossen Auftritt zu haben.
Das Konzert war in der Halle des Olympiastadions von Phnom Penh. Man erwartet riesige Ausmasse, allerdings reicht der Innenraum nicht mal an die Groesse der Jako-Arena (fuer alle Nicht-Bamberger: Das ist die Basketballhalle der ehemaligen GHP Baskets) heran. Die Siebentausend Plaetze der Halle waren vielleicht zu zwei Dritteln besetzt. Kein schlechtes Ergebniss, nach den Befuerchtungen der letzten Woche.
Kurz und gut: Ronan Keating, kam, sang und alle lagen ihm zu Fuessen. Die kambodschanischen Fans sangen aus voller Kehle mit, jubelten und klatschten, ob Jung, ob alt, ob Mann ob Frau. Man konnte den Leuten ansehen, dass sie stolz auf den Besuch dieses ersten Solo-Kuenstlers in ihrem Land waren. Es war wirklich eine richtig gute Stimmung. Und das obwohl der Keating meiner Meinung nach nicht der allerbeste Stimmungsmacher ist, den das internationale Showbiz so zu bieten hat, aber ich glaube er hat eine gute 'I Love You-Quote' und das kommt hier einfach verdammt gut an. Und ich ziehe auch den Hut vor ihm, weil er sich als erster in das wilde Kambodscha gewagt hat. Moegen seinem Vorbild viele folgen, die Kambodschaner haben sich einen guten Musikgeschmack verdient! Und das naechste Mal bitte vielleicht fuer 10 Dollar!

Animalisch

Germanistik-Studentin aus Bamberg lenkt sich mal wieder von der Arbeit ab

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